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# EntreNous-HOMME-4_full-issue

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DAS MAGAZIN FÜR DIVERSE MASKULINITÄT

N°4 SPRING / SUMMER 2026
                                                  HOM:ME

                                           ERAND
                                           ARIFI
                                              MODEL &
                                              L I T E R AT U R -
                                              MUSE WIEDER
                                              WILLEN

VON MODE BIS FITNESS

SUMMER
                                       italophil!
                                       AUTOS WIE

ESSENTIALS                             MASSANZÜGE &
                                       MAILANDS INSIDER
FÜR MÄNNER                             FASHION-NEWS

                                    VER-QUEER: FUSSBALL
                                    UNTERM REGENBOGEN?

HERAUSGEBERIN
Maria Ratzinger

CHEFREDAKTEUR
Mio Paternoß

EDITORS (A-Z)
Mio Paternoß
Maria Ratzinger
Maxine Weber

GRAFIK & LAYOUT
Maria Ratzinger

COVER

Fotografie               Ingridi Viruel
Talent                   Erand Arifi

IMPRESSUM

ENTRENOUS E.U.
Arbesbachgasse 11/9
1190 Wien

UID ATU68873178

KONTAKT
newsdesk@entrenous.at

VERTRIEB & SALES
marketing@entrenous.at

                                                  EDIT
                                                  ORIAL

                                                  Mit    dieser  Ausgabe    beginnt   für
                                                  EntreNous HOM:ME ein neues Kapitel.

Foto: Florentina Olareanu | GoldenHour.Pictures
                                                  In den vergangenen Jahren durften wir
                                                  ein    Magazin  aufbauen,     das  von
                                                  inspirierenden Persönlichkeiten, span´-
                                                  nenden Themen und vor allem von einer        Wir hoffen, dass euch diese digitale
                                                  großartigen Community getragen wurde.        Ausgabe genauso gut gefällt wie uns.
                                                  Dafür möchten wir Danke sagen.               Und wir freuen uns weiterhin über
                                                                                               Feedback, Austausch und all jene
                                                  Wie ihr vielleicht bereits mitbekommen       Gespräche, die aus einem Magazin mehr
                                                  habt, erscheint EntreNous HOM:ME ab          machen als nur eine Sammlung von
                                                  sofort digital. Diese Entscheidung ist       Seiten. Schreibt uns dazu jederzeit auf
                                                  aus der Beobachtung entstanden, wie          @entrenous_at auf Instagram oder mir
                                                  sich die Mediennutzung verändert hat.        persönlich @miopaternoss.
                                                  Für uns bedeutet dieser Schritt keinen
                                                  Abschied, sondern eine Weiterentwick-        Die Form, in der ihr EntreNous HOM:ME
                                                  lung. Denn auch online bleibt unsere         lest, mag sich verändert haben. Die Idee
                                                  Leidenschaft für starke Inhalte, beson-      dahinter bleibt dieselbe: Menschen
                                                  dere Menschen und gute Geschichten           miteinander zu verbinden, Inspiration zu
                                                  unverändert.                                 schaffen und neugierig zu machen. Wir
                                                                                               freuen uns auf alles, was vor uns liegt,

                                                                                                                                            E N T R E N O U S . A T
                                                  Das heißt allerdings nicht, dass wir Print   und darauf, diesen Weg gemeinsam mit
                                                  den Rücken kehren. Gedruckte Magazine        euch weiterzugehen.
                                                  haben für uns nach wie vor einen
                                                  besonderen Stellenwert. Mal sehen, was       In diesem Sinne wünsche ich einen
                                                  die Zukunft noch bringt!                     schönen Sommer - wir sehen uns später
                                                                                               im Jahr mit unserer nächsten Herbst-/
                                                  Für unsere erste Online-Ausgabe haben        Winter-Ausgabe wieder.
                                                  wir Erand Arifi gewonnen, der für
                                                  moderne Karrierewege steht und auf           Herzlichst,
                                                  unserem ersten Digital-Cover zu sehen
                                                  ist. Angefangen auf Social Media, heute
                                                  als Model, Muse und angehender
                                                  Schauspieler, zeigt er, wie vielseitig
                                                  Erfolg heute aussehen kann. Dazu
                                                  erwarten euch spannende Geschichten
                                                  aus den Bereichen Fashion, Beauty,
                                                  Travel und Interior. Themen und News,
                                                  die Interesse wecken, unterhalten und
                                                  neue Perspektiven eröffnen.                                                Mio Paternoß
                                                                                                                       EntreNous HOM:ME
                                                                                                                            Chefredakteur

                                                                                                                                                              3

MANCHMAL       IST    DAS    LUXURIÖSESTE
MÖBELSTÜCK DASJENIGE, IN DAS MAN EINFACH
HINEINFÄLLT. FÜR DIE ZUSAMMENARBEIT VON
MCM X VETSAK WURDE AUS DEM IKONISCHEN
MCM-RUCKSACK EIN SITZSACK MIT ERSTAUN-
LICH VIEL CHARAKTER. DIE KOLLEKTION BE-
SCHÄFTIGT SICH MIT EINER OFT UNTERSCHÄTZ-
TEN IDEE: DER BEWUSSTEN PAUSE. ZWISCHEN
REISEN, ARBEIT UND STÄNDIGEM UNTERWEGS-
SEIN WIRD KOMFORT PLÖTZLICH ZUM STATUS-
SYMBOL. UND SELTEN SAH ER SO ENTSPANNT
AUS.

                        RECAP
                                BITS & PIECES, NEWS & SNIPPETS -
                                WIR HABEN DAS BESTE DARAUS
                                AUSGEWÄHLT.

                    Raumdüfte können mehr als nur gut riechen –
                    sie erzählen Stimmungen. Die neuen Don Gil-
                    Fragrances, erhältlich bei Humanic, schaffen
                    drei unterschiedliche Atmosphären: warm,
                    floral oder klar gewürzt. Akazie, Rose & Oud,
                    Pink Pepper. Schlichte Glasflakons,
                    reduzierter Ausdruck. Drei Charaktere, die
                    einen Raum subtil definieren.

                                                                          Foto_ Hersteller, secant.etc, Charlotte Wösner, Property Photos Gmbh
                                     Die Resort-2026-Kollektion von
                                     Loro Piana verzichtet auf große
                                     Gesten und gewinnt genau
                                     dadurch an Stärke. Leichte
                                     Stoffe, entspannte Silhouetten
                                     und Farben, die an Küstenland-
                                     schaften und späte Sonnen-
                                     stunden erinnern, bestimmen die
                                     Saison. Alles wirkt selbstver-
                                     ständlich, fast schwerelos. Es ist
                                     diese besondere Art von Eleganz,
                                     die nicht beeindrucken will und
                                     genau deshalb beeindruckt.

                                                                                 |    RECAP

      Manche Designklassiker existieren,
      weil jemand ein Problem lösen wollte.
      Die Santos de Cartier von Cartier ent-
      stand 1904 aus dem Wunsch des
      Fliegers Alberto Santos Dumont, die
      Zeit auch in der Luft ablesen zu
      können. Daraus entstand eine der ers-
      ten Armbanduhren überhaupt. Mehr
      als hundert Jahre später wirken die
      sichtbaren Schrauben, die markante
      Form und die klaren Linien immer
      noch erstaunlich modern.

                                               Gutes Design zeigt sich oft dann, wenn
                                               das Wetter umschlägt. Der Northwater
                                               von Sorel sieht auf den ersten Blick nach
                                               Lifestyle aus, bietet aber deutlich mehr
                                               Substanz. Vibram-Sohlen, wetterfeste
                                               Materialien und eine robuste Konstruktion
                                               sorgen dafür, dass Regen und Matsch
                                               ihren Schrecken verlieren. Ein Schuh für
                                               alle, die sich nicht bei jeder Wolke
                                               umentscheiden wollen.

  NICHT JEDE OUTDOOR-MARKE
SCHAFFT DEN SPRUNG VON DER
       FELSWAND IN DIE STADT.
   ARC’TERYX SCHON. MIT DEM
       ERSTEN BRAND STORE IN
   ÖSTERREICH HAT WIEN EINEN
  TREFFPUNKT FÜR ALLE, DIE AM
  WOCHENENDE LIEBER HÖHEN-
METER SAMMELN ALS NETFLIX ZU
SCHAUEN. TECHNISCHE PERFOR-
 MANCE BLEIBT DIE GRUNDLAGE,
ABER LÄNGST GEHT ES AUCH UM
    EINE HALTUNG: RAUSGEHEN,
         BEWEGEN, ENTDECKEN.

                                                                                           5

                                            Mitten im 7. Bezirk hat sich mit Revive ein Spot
                                            etabliert, der Health Bar, Café und kurzer Reset
                                            zugleich ist. In der Burggasse 25 gibt es Matcha-
                                            Kreationen, Açaí Bowls und funktionelle Shakes in
                                            einem     reduzierten,    entspannten  Setting.  Kein
                                            erhobener Zeigefinger, kein Wellness-Kitsch – eher ein
                                            Treffpunkt für alle, die zwischen Workout, Homeoffice
                                            und City-Alltag kurz auftanken wollen.

                                            Sommer ist eine Stimmung. Und so
                                            bewegt sich auch die High Summer
                                           Kollektion von Peek & Cloppenburg
                                         zwischen spätem Frühstück, salziger Haut
                                          und langen Abenden im Freien. Begleitet
                                          werden sie von Leinen, Polos. Das bringt
                                            entspannten Italo-Flair ins Styling.

Taschen haben die seltene Fähigkeit, einen Look
       komplett zu verändern. Die Tilda Bag von
  Nehera setzt dabei nicht auf Logos, sondern
 auf Form. Der charakteristische Knotenriemen
  verleiht der Tasche etwas Skulpturales, ohne
                  ihre Funktion einzuschränken.

                                                  DER SOMMER MUSS NICHT IMMER NACH LEINENHEMD
                                                  UND ESPADRILLES AUSSEHEN. DIE AKTUELLE KOLLEKTION
                                                  VON COS INTERPRETIERT RIVIERA-DRESSING AUF EINE
                                                  RUHIGERE, MODERNERE ART. FLIESSENDE STOFFE,
                                                  LOCKERE SCHNITTE UND EINE FARBWELT ZWISCHEN
                                                  WEISS, SAND UND VERBLASSTEM BLAU SCHAFFEN
                                                  LOOKS, DIE NICHT NACH URLAUB SCHREIEN, ABER
                                                  TROTZDEM DANACH AUSSEHEN. FOTOGRAFIERT AN DER
                                                  ATHENER RIVIERA MIT MODEL LEONARD KIPKER ENTSTEHT
                                                  EINE STIMMUNG, DIE IRGENDWO ZWISCHEN STADT UND
                                                  KÜSTE LIEGT.

                                                                                     |   RECAP

AMI PARIS MACHT SOMMER IN SÜDFRANKREICH, NUR
OHNE RESERVIERUNGSDRAMA UND SPRÜHKERZEN
AUF CHAMPAGNERFLASCHEN IN SAUTEUREN CLUBS.
AMI D’ÉTÉ SIEHT EHER NACH DER PERSON AUS, DIE
EINFACH SPÄTER DAZUKOMMT UND AM BESTEN
ANGEZOGEN IST: VINTAGE-POLOS, WEITE HOSEN,
BOWLING-SHIRTS. DAZU BRINGT AMI DIE MIRAGE
SNEAKER ZURÜCK UND EIN ROYALBLAUES T-SHIRT
AUS DER 15-JAHRE-CAPSULE MIT DEM PRINT „THANK
YOU FOR BEING A FRIEND“. ALEXANDRE MATTIUSSIS
BOTSCHAFT DAHINTER: EIN MERCI AN ALLE, DIE AMI
PARIS VON BEGINN AN BEGLEITEN.

                                                 Sound will heute nicht mehr nur gut klingen;
                                                 er muss auch ins Regal, aufs Sideboard und
                                                 in den eigenen Lifestyle passen. Marshall
                                                 hat das früh verstanden. Die Marke, die seit
                                                 über 60 Jahren das Flair ultimativer Coolness
                                                 und ein bisschen Ärger mit den Nachbarn
                                                 ausstrahlt, bringt ihre Klassiker jetzt in neuen
                                                 Farben heraus. Im Bild: Der Monitor III A.N.C.
                                                 in Creme. Cleaner Minimalismus trifft Rock.

                                                      Jeremy Scott hat sich lange bei
                                                      Moschino herumgetrieben.
                                                      Danach wurde es ruhig um den
                                                      Bad Boy der Modeindustrie. Jetzt
                                                      meldet er sich mit Collabs zurück.
                                                      Darunter eine Taschenkollektion
                                                      für Longchamp, die genau das
                                                      macht, was man von Scott
                                                      erwartet. Popkultur, ein bisschen
                                                      Camp und die Frage, ob Luxus
                                                      manchmal am besten funktioniert,
                                                      wenn er sich selbst nicht zu ernst
                                                      nimmt.

                                                                                                    7

ERAND

 FOTOS VON INGRIDI VIRUEL

        |   MEN OF HOM:ME

ARIFI

                        9

|   MEN OF HOM:ME

                                                                            |    MEN OF HOM:ME

  ZWISCHEN FASHION,
    FILM UND FAME
     Manchmal überholt das echte Leben die Fiktion. Und
   manchmal gibt es ihr ein Gesicht. Im Fall von Erand Arifi
   beginnt diese Geschichte mit einem Bild im Internet. Der
     Wiener, der sich zwischen Social Media, Fashion und
    Schauspiel bewegt und in Paris und Mailand Model ist,
     wurde, ohne es zu wissen, zur Inspiration für einen
               brasilianischen Bestsellerroman.

                                               von
                                       Mio Paternoß

Irgendwo in Brasilien sitzt eine Autorin vor         Parallel dazu arbeitet er intensiv an
einem Bildschirm und bleibt an einem                 seinem    nächsten     kreativen   Kapitel.
Gesicht hängen. Es gehört einem jungen               Schauspielunterricht, dazu internationale
Wiener, den sie nicht kennt. Ein Bild,               Fashion-Projekte    und    seine    eigene
vielleicht nur ein kurzer digitaler Moment.          Schmuckbrand L’Ermite, deren Pieces
Doch daraus entsteht eine Figur, dann ein            stark von Filmästhetik, Emotionen und
Roman, dann eine Geschichte, die bald ihr            persönlichem Storytelling geprägt sind.
eigenes Leben führt.
Erand Arifi weiß zu diesem Zeitpunkt                 Trotz all der Aufmerksamkeit spricht Erand
nichts davon. Nicht, dass sein Gesicht zur           überraschend reflektiert über Sichtbarkeit,
visuellen Inspiration einer Romanfigur               Einsamkeit, Druck und darüber, wie
geworden ist. Nicht, dass Leserinnen in              schnell man sich selbst verlieren kann,
Brasilien beginnen, sich ein Bild von ihm            wenn plötzlich Millionen Menschen ein Bild
zu machen. Und nicht, dass aus dieser                von einem haben.
fremden     Projektion   irgendwann     eine
Einladung zur Rio-Biennale werden würde.             Für EntreNous HOM:ME erzählt er, warum
                                                     Rückzug für ihn genauso wichtig geworden
Was wie eine klassische Internet Story               ist wie Öffentlichkeit, weshalb Schauspiel
beginnt, entwickelt sich langsam zu etwas            ihn zwingt, Kontrolle loszulassen und
Größerem. Rund um das Buch entsteht                  warum manche Träume vielleicht stärker
eine eigene Dynamik zwischen Literatur,              bleiben, solange man sie noch nicht
Popkultur und visueller Ästhetik. Und                ausspricht.
irgendwo dazwischen steht Erand selbst.
Ruhig, kontrolliert und fast ein bisschen
geheimnisvoll. Während andere auf Social
Media möglichst laut sichtbar sein wollen,
wirkt er eher wie jemand, der genau
beobachtet, wann er sich zeigt und wann
nicht.

                                                                                                   11

Du arbeitest seit 2022 erfolgreich als
Influencer und Model. Was war der
Moment, in dem dir klar wurde: „Okay,
das ist jetzt wirklich mein Leben“?
                                               „FÜR MICH KAM
Am Anfang fühlt sich alles vorübergehend       IRGENDWANN DER
an. Du denkst, dass es vielleicht ein paar     PUNKT, AN DEM ICH
Monate gut geht, und irgendwann merkt          VERSTANDEN HABE:
man plötzlich, dass Leute deinen Weg           ICH KANN DAS
wirklich  verfolgen,  dir  zuhören     und     NICHT MEHR
beobachten, was du machst. Für mich kam        HALBHERZIG
irgendwann der Punkt, an dem ich
                                               MACHEN.“
verstanden habe: Ich kann das nicht mehr
halbherzig machen. Ab da wurde es nicht                  ERAND ARIFI
nur spannend, sondern auch verantwort-
ungsvoll.

Wie ist es eigentlich, plötzlich die Muse
eines Buches zu sein?

Ehrlich gesagt war es am Anfang surreal.
Fast so, als würde jemand ein Leben über
dich schreiben, das du selbst noch gar nicht
komplett verstehst. Natürlich ist das
schmeichelhaft, aber auch speziell, weil
Menschen anfangen, sich ein Bild von dir zu
machen, das nie vollständig der Realität
entsprechen kann.

Hast du dich selbst in dieser Geschichte
wiedererkannt?

Teilweise schon. Aber ich glaube, kein
Mensch passt in eine Geschichte. Es gibt
Seiten an mir, die bewusst privat bleiben.
Und ehrlich gesagt finde ich das auch
wichtig. Ein Teil von mir gehört mir.

Du nimmst gerade Schauspielunterricht.
Was hat dich daran am meisten über-
rascht?

Dass ich kontrollierter bin, als ich dachte.
Das Schauspiel zwingt dich dazu, Kontrolle
loszulassen und wirklich ehrlich zu sein.
Das ist manchmal unangenehm, aber genau
dann entsteht Entwicklung.

                                                                          |    MEN OF HOM:ME

                                                    Social Media zeigt meistens nur das
                                                    Endprodukt. Wie sieht dein Alltag hinter
                                                    den Kulissen wirklich aus?

                                                    Viel Wiederholung. Viel Disziplin. Und oft
                                                    auch viel Zeit alleine. Menschen sehen am
                                                    Ende vielleicht nur ein paar Sekunden
                                                    Content oder ein Shooting, aber dahinter
                                                    stecken Stunden an Vorbereitung, Ent-
                                                    scheidungen und Selbstreflexion.

                                                    Du bist ständig unterwegs. Was bedeutet
                                                    Zuhause heute für dich?

                                                    Nicht unbedingt ein Ort. Eher Menschen,
                                                    bei denen ich nicht performen muss und
                                                    einfach ich selbst sein kann.

                                                    Wie kommst du wieder runter, wenn du
                                                    zurück in Österreich bist?

                                                    Durch Rückzug. Weniger digital, mehr
                                                    Ruhe. Ich brauche bewusst Momente, in
                                                    denen ich nicht sichtbar bin.
  Logo? Logo! L’Ermite ist das eigene Label von
  Erand Arifi. Er produziert neben Schmuckstücken
  auch Accessoires, die Geschichten erzählen        Wie schützt man sich davor, sich von der
  sollen und zwischen Erinnerung und Filmästhetik   Aufmerksamkeit definieren zu lassen?
  oszillieren.

                                                    Indem ich mir immer wieder bewusst
                                                    mache, dass Wahrnehmung nie die ganze
Welche Seite deines             Lebens      wird    Wahrheit ist. Sobald man beginnt, sich über
komplett unterschätzt?                              Likes oder Aufmerksamkeit definieren zu
                                                    lassen, verliert man sich sehr schnell.
Wie viel Struktur und Arbeit tatsächlich
dahinterstecken. Und wie oft man sich
selbst hinterfragt, obwohl vieles nach außen        Was liebst du an deiner Arbeit wirklich?
hin selbstverständlich wirkt.
                                                    Die Möglichkeit, etwas zu erschaffen. Nicht
                                                    nur Content, sondern auch Gefühle, Stim-
Gibt es einen Traum, über den du noch               mungen und kleine Welten, mit denen
nicht öffentlich sprichst?                          Menschen etwas verbinden können.

Ja, aber ich glaube, manche Dinge verlieren
an Kraft, wenn man sie zu früh ausspricht.
Ich arbeite lieber still daran und lasse das
Ergebnis irgendwann für sich sprechen.

                                                                                                  13

               BO STO N L EGA L
             Manche Schuhe werden berühmt, weil sie zur
              richtigen Zeit am richtigen Fuß landen. Der
          Birkenstock Boston hat etwas anderes geschafft: Er
           hat fast fünf Jahrzehnte überstanden, ohne dabei
                     seine Grundform zu verlieren.

                                                     von
                                              Mio Paternoß

  1976 kam er erstmals auf den Markt,                      Dass aus diesem Zweckschuh einmal eine
  damals in Deutschland noch als „Kork-                    internationale Silhouette werden würde,
  Clog“, in den USA als „Soft Clog“. Ein                   gehört zu den besseren Wendungen der
  Schuh, der weniger nach Mode aussah als                  Modegeschichte. Genau das machte ihn
  nach Alltag, Arbeit und sehr vernünftigen                später interessant. Denn kaum ein Schuh
  Entscheidungen.                                          hat so viele Milieus durchwandert, ohne
  Seine ersten Fans fand der Boston nicht in               seine Form wesentlich zu verändern. Er
  der Front Row, sondern dort, wo Schuhe                   war Ökoschlapfen, 68er-Uniform, Dienst-
  funktionieren müssen: in Arztpraxen,                     schuh, Hippie-Restbestand, Festivalbe-
  Kliniken, Küchen und anderen Berufen mit                 gleiter, Normcore-Favorit, Streetstyle-Ob-
  langen Tagen auf den Beinen. Schnell                     jekt und – schließlich – Luxuscode. Lange
  hineinschlüpfen,     geschützt    stehen,                haftete ihm etwas Belehrendes an. Wer
  bequem gehen. Holzclogs war das                          Birkenstock trug, wurde schnell in eine
  anatomische Birkenstock Fußbett eine                     Welt aus Wollsocken, Reformhaus, Tee-
  ziemlich intelligente Antwort auf ein                    küche und moralischer Schuhwahl ein-
  praktisches Problem. Der Boston war kein                 sortiert. Das machte die Marke für viele
  Accessoire, sondern ein Werkzeug.                        nicht unbedingt begehrlicher.

Eine Kampagne für den Boston aus dem Archiv der Marke.

                                                                                  |    FASHION

Auch Heidi Klum gehört zu den frühen
prominenten Birkenstock-Momenten der
2000er-Jahre. 2003 präsentierte sie eine
eigene Kollektion für die Marke mit Nieten,
Glanz und jener Portion Glamour, die
damals noch nicht jeder mit Korkfußbett in
Verbindung bringen wollte. Viele lachten
darüber. Rückblickend wirkt es eher so,
als hätte Klum den Riecher gehabt, bevor
der Rest der Modewelt bereit dafür war.
Denn bereits 1985 tauchte der Boston in
der britischen ELLE auf, in den 1990er-
Jahren folgten Editorials, Laufstege und
Subkulturen. 1998 schickte Narciso Rodri-
guez seine Models in luxuriös interpre-
tierten Bostonern über den Laufsteg. Im
selben Jahr inszenierte VOGUE Italia den
Clog in einer Fotostrecke von Peter
Lindbergh. Und spätestens mit Julia
Roberts in „Notting Hill“ bekam der Schuh
jene Popkultur-Weihe, die man nicht
planen kann.

Dass Birkenstock inzwischen zum Beteili-
gungsumfeld von L Catterton und Bernard
Arnault gehört, also in unmittelbarer Nähe
zur LVMH-Welt angesiedelt ist, hat den
alten Öko-Mythos weiter verschoben. Aus
der Gesundheitslatsche wurde ein Objekt,
das plötzlich auch in der Sprache von
Kapital, Begehrlichkeit und globalem
Luxus funktioniert.

Das Interessante am Boston ist aber, dass
er diese Aufwertung überstanden hat,
ohne dabei seine Grundidee zu verlieren.
Die Schnalle ist noch da. Das Fußbett
bleibt der Kern. Die Form ist weiterhin
eigenwillig genug, um nicht gefällig zu
werden. Rick Owens, Manolo Blahnik oder
Opening Ceremony konnten den Schuh
glamouröser, düsterer, kunstnäher oder
exzentrischer für Kollaborationen mit der
Marke interpretieren, mussten ihn jedoch
nicht neu erfinden.

                                              In den Birkenstock-Werkhallen im deutschen Görlitz
                                              trifft Form auf Funktion, die längst auch die Mode
                                              verstanden hat. Fotografiert von Werner Bartsch.

                                                                                                   15

K R AG E N O H N E G O L FC LU B
   Lange roch das Polohemd nach Golfplatz, Internat
   und BWL-Studierende im ersten Semester. Jetzt ist
      es zurück und beweist, dass ein Kragen nicht
    automatisch nach Vorstandspraktikum aussehen
                        muss.
                                                                   von
                                                  Maria Ratzinger

                             Es gibt Kleidungsstücke, die nie wirklich
                             verschwinden. Sie werden nur für eine Zeit
                             lang falsch verstanden. Das Polohemd
                             gehört in diese Kategorie. Es war Tennis-
                             uniform, Statussymbol, Golfplatzklischee,
                             BWL-Grundausstattung und irgendwann
                             das Kleidungsstück, das man lieber
                             anderen überließ. Männern mit Seiten-
                             scheitel. Männern mit Segelschuhen.
                             Männern, die im Sommer „an den See“
                             fahren und damit nicht irgendeinen See
                             meinen, sondern den Starnberger oder
                             den Wörthersee.

                             Bis vor wenigen Jahren hatte das Polo-
                             hemd ein Imageproblem. Wer daran dach-
                             te, sah schnell eine ganze Milieustudie vor
                             sich: Internate, Familiennamen mit Binde-
                             strich. Dazu Chinos in Beige, der Pullover
                             über die Schulter gelegt, das Versprechen
                             eines späteren Consulting-Jobs schon im
                             Kragen eingearbeitet. Das Polo war nicht
                             nur ein Shirt. Es war ein Code. Und dieser
                             Code wirkte lange Zeit ziemlich unan-
                             genehm.

                             Dabei begann seine Geschichte gar nicht
                             spießig,   sondern   revolutionär. René
                             Lacoste, französischer Tennisstar der
                             1920er Jahre, hatte schlicht keine Lust
                             mehr, in steifen Langarmhemden auf dem
                             Platz zu stehen.

                                                                        |    FASHION HISTORY

Tennis war damals noch ein Sport, der in
fast formeller Kleidung praktiziert wurde.
Weiße Hemden, lange Ärmel, wenig
Bewegungsfreiheit. Lacoste wollte etwas,
das atmet und sich (mit)bewegt. 1933
brachte er gemeinsam mit André Gillier
das erste Lacoste-Polohemd auf den
Markt. Das Modell hieß L.12.12 und
wurde aus Petit Piqué gefertigt, jener
fein wabenartigen Baumwollstruktur,
die bis heute fast automatisch mit dem
Polo verbunden wird.

Das Entscheidende war nicht nur der
Kragen. Es war die Idee, Sport und
Eleganz in einem Kleidungsstück zu ver-
einen. Ein T-Shirt war zu lässig, ein Hemd
zu formell. Das Polo lag genau da-
zwischen. Es hatte eine Knopfleiste, einen
Kragen und eine gewisse Disziplin, aber
es war weich, kurzärmlig und atmungs-
aktiv. Man konnte darin schwitzen, ohne
auszusehen, als hätte man die Kontrolle
verloren. Für die damalige Sportmode war
das radikal modern und traf den Zeitgeist
auf den Kopf. 1983, lange nachdem sein
Krokodil zum globalen Symbol geworden
war, erklärte René Lacoste, was Eleganz
für ihn bedeutete: Kleidung müsse „an die
jeweilige Situation und die Umstände“
angepasst sein, getragen von „Einfachheit
im Gesamtdesign“ und „Diskretion in den
Details“. Fast klingt das wie eine späte
Gebrauchsanweisung für das Polohemd
selbst.

Dass René Lacoste das Tennishemd
von seinen steifen Zwängen befreite,
war kein isolierter Moment. Zur selben
Zeit zerlegte Coco Chanel in der
Frauenmode ähnliche Stereotypen. Sie
machte      Jersey,    Matro-senstreifen,
Cardigans und sportliche Silhouetten
salonfähig.   Bei   Chanel  wurde    aus
Männerbekleidung und deren Sports-wear
weibliche Eleganz.

                                             Aus den Spring/Summer 2026 Kollektionen:
                                             Napapijri (oben) und Filippo De Laurentiis
                                             (unten)

                                                                                          17

Dass es heute wieder interessant ist, liegt
daran, dass Mode gerade gelernt hat,
anders mit alten Codes umzugehen. Die
vergangenen Jahre haben den Preppy-
Stil nicht einfach zurückgebracht, son-
dern ihn dekonstruiert.
Es kann weiter geschnitten, kürzer, aus
Frottee, Seide, Wolle, Baumwollstrick oder
technischen Mischungen gefertigt sein.

Der Unterschied liegt aber nicht nur im
Styling, sondern auch im Material. Das
klassische Polo besteht aus Piqué-Baum-
wolle. Dies ist kein bestimmter Rohstoff,
sondern entsteht erst am Webstuhl. Dieser
erzeugt dabei eine leicht reliefartige
Oberfläche mit kleinen Waben oder Rip-
pen. Dadurch wirkt der Stoff griffiger,
luftiger und weniger glatt als der Jersey.
Der Unterschied liegt auch in der Wirkung:
Ein T-Shirt aus Jersey fällt weicher und
körpernäher, ein Piqué-Polo behält seine
Form besser. Genau deshalb kann es zu-
gleich sportlich und formell aussehen.

Heute bestehen Polos aber längst nicht
mehr nur aus Piqué. Es gibt gestrickte
Polos, die fast wie dünne Pullover wirken.
Diese Varianten haben oft eine weichere
Ausstrahlung und erinnern eher an italien-
ische Sommer als an einen Golfclub. Es
gibt Frottee-Polos, die nach Pool, Hotel-
terrasse und Urlaub aussehen. Und es gibt
Luxusvarianten aus Merino-, Kaschmir-
oder Leinenmischungen, die das Polo in
Richtung Quiet Luxury verschieben.

                                                     Bogner Spring/Summer 2026 zeigt Sportmode, die Funk-
                                                     tion veredelt: technische Materialien, klare Cuts und ein
                                                     Look, der zwischen Bewegung und urbanem Alltag
                                                     funktioniert. Da darf das Polo natürlich nicht fehlen.

    „THE POLO IST THE MOST DEMOCRATIC
 OF GARMENTS, AS UBIQUITOUS AS A PAIR
                                    OF JEANS.“
                                              Ralph Lauren

                                     |    FASHION

 Nach Jahren von Hoodies, Logo-T-Shirts,
 Streetwear-Drops und ironischen Prints
 wächst die Sehnsucht nach Kleidung, die
 nicht ständig etwas behaupten muss. In
 diese Bewegung passt auch die Rückkehr
 der Barbour-Jacke. Die soll jedoch mit
 einem einfachen T-Shirt getragen werden,
 um nicht spießig zu wirken.

 Das neue Polo funktioniert, weil es
 zwischen den Welten steht. Es ist ein
 Upgrade, ohne gleich ein Statement-Anzug
 zu sein. Der Trick besteht darin, es nicht
 als Relikt zu behandeln – weder ein enger
 Schnitt noch ein hochgestellter Kragen
 sind empfehlenswert, um nicht in die
 Klischeekiste zu fallen.

 Passender ist da ein dunkelblaues Strick-
 polo zu einer gestreiften Leinenhose. Ein
 cremefarbenes Piqué-Polo zu Vintage-
 Denim. Ein Frottee-Polo zu Bade-Shorts.
 Ein langärmeliges Polo unter einer leichten
 Seiden-Bowlingjacke.

 Vielleicht ist das die eigentliche Pointe
 seiner Rückkehr. Das Polohemd war nie
 das Problem. Das Problem lag in der Art,
 wie es gelesen wurde. Zu lange wurde es
 von Männern getragen, die es als soziale
 Kodierung des Status verstanden. Heute
 kann es wieder das sein, was es ursprüng-
 lich war: eine ziemlich intelligente Lösung.
 Bequem, aber nicht nachlässig. Sportlich,
 aber nicht schlampig. Ganz im Sinne von
 René Lacoste.

Die vielleicht schönste Form des Comebacks: Wenn
das Polohemd nicht aus Piqué, sondern aus Strick
kommt, verliert es seine Strenge und gewinnt an
Charme. Oben: Octobré Éditions. Unten: Groundies.

                                                    19

W I E E I N E Z W E I T E H AU T
     Ein guter Anzug beginnt nicht beim Maßband, sondern
       bei der Frage, wer ihn trägt. Bei rotknopf in Wien
    entstehen Anzüge, Smokings und Mäntel, die Passform,
    Handwerk und Persönlichkeit vereinen. Ein Gespräch mit
      Oliver Schwarz, Gründer von rotknopf, über Körper,
                      Codes und Eleganz.
                                                                                                      von
                                                                                    Maria Ratzinger

                                                                                                                Foto _ Getty Images via Unsplash, Getty Images for Christian Dior
Wann sitzt ein Anzug wirklich gut? Geht
es dabei nur um Maße oder auch um ein
bestimmtes Gefühl?

Wie gut ein Anzug sitzt, hängt einerseits
vom subjektiven Empfinden des Trägers
ab, andererseits aber auch von der
Außenwahrnehmung durch Gesprächs-
partner und andere Beobachter. Im Prinzip
sollte man einen Anzug nicht spüren,
außer vielleicht bei sehr ausladenden
Bewegungen. Dass ein Anzug als passend
wahrgenommen wird, hängt vor allem von
den Proportionen ab. Es geht darum, eine
Balance zwischen Ober- und Unterkörper
herzustellen. Diese Balance ist bei jedem
Menschen anders und hängt natürlich auch
mit modischen Entwicklungen zusammen,
etwa mit körpernahen oder weiteren
Schnitten. Ein gutes Indiz ist, wenn man
von Personen, die man nicht kennt,
Komplimente für den Anzug bekommt.
Dann merkt man, dass auch die objektive
Wahrnehmung positiv ist. Der Kunde
versteht, was gute Passform bedeutet.
Nämlich dann, wenn nicht nur die Optik
stimmt, sondern auch der Komfort. Oft fällt
dann der Satz: „Ich wusste gar nicht, dass
sich das auch so anfühlen kann.“

                                 Im 20. Jahrhundert stand der Anzug für Status, Disziplin und gesell-
                                 schaftliche Zugehörigkeit. Als zivile Uniform ordnet er bis heute Körper,
                                 Rollen und Milieus. Jahrzehnte später bleibt die Grundfrage ähnlich, doch
                                 kann er auch anders gelesen werden. Bei “Jedermann”-Schauspieler Lars
                                 Eidinger in Dior (beim Filmfestival in Cannes 2026) wird der Doppelreiher in
                                 Kombination mit einer elisabethanischen Halskrause zur Bühne.

                                                            |   FASHION

        „BEI              Bei Rotknopf entstehen Maßanzüge,
                          Hochzeitsanzüge, Smokings, Hemden
FERTIGANZÜGEN             und Mäntel. Was ist für Sie der
                          wichtigste Unterschied zwischen einem
  FINDET DER              Anzug von der Stange und einem
                          Anzug, der wirklich für eine Person
  KUNDE NUR               gemacht ist?

 SELTEN EINEN             Es gibt einige Unterschiede. Zunächst
                          kann der Anzug genauso gestaltet werden,
 ANZUG, DER               wie man ihn sich vorstellt, ohne
                          Kompromisse eingehen zu müssen. Auch
WIRKLICH ZUM              beim Innenfutter kann der persönliche
 KÖRPERBAU                Geschmack einfließen. Der größte Unter-
                          schied liegt für die meisten Kunden aber
 UND ZU DEN               sicher in der Passform. Wenn man nach
                          einigen Jahren etwas an Gewicht zugelegt
PROPORTIONEN              hat, können unsere Anzüge außerdem
                          weiter gemacht werden, was einen
   PASST.“                zusätzlichen    Mehrwert   bietet. Hinzu
                          kommt, dass für Maßanzüge typischer-
     Oliver Schwarz,      weise hochwertigere Stoffqualitäten ver-
   Gründer von rotknopf
                          wendet werden. Das wirkt sich auch auf
                          die mögliche Tragedauer des Anzugs aus.

                          Wie verhindert man, dass Individualität
                          in der Kleidung zur Verkleidung wird?

                          Indem man den Geschmack und den
                          Charakter des Kunden versteht und ihn
                          berät. Manchmal braucht ein Kunde auch
                          einen leichten Anstoß, um aus seiner
                          Komfortzone herauszukommen und den
                          nächsten Schritt auf der Anzugskala zu
                          wagen. Die größte Gefahr, dass sich
                          jemand verkleidet fühlt, entsteht, wenn zu
                          viele Seiten Einfluss nehmen. Das passiert
                          gerne bei Hochzeitsanzügen, wenn viele
                          Beteiligte mitreden und der Kunde selbst
                          noch keine genaue Vorstellung davon hat,
                          was er eigentlich möchte.

                                                                       21

Ein Hochzeitsanzug ist für viele Männer
der erste wirklich bewusst ausgesuchte
Anzug. Was unterscheidet die Beratung
für einen Bräutigam von der für einen
Businessanzug?

Bei der Beratung für einen Hochzeitsanzug
sind viel mehr Faktoren einzurechnen und
zu bedenken. Zum Beispiel das Farbkon-
zept der Hochzeit, die Umgebung, in der
geheiratet wird, und natürlich die Per-
sönlichkeit des Kunden. Bei einem
Businessanzug kommt es stärker auf den
Kontext an, in dem er getragen wird. Hier
ist man bei den Farben typischerweise
eher auf Blau, Grau oder eventuell
Schwarz eingeschränkt. Insofern ist die
Beratung für einen Businessanzug von
vornherein etwas genauer definiert.

Welche Rolle spielt der Körper in der
Herrenmode?    Sind    Männer    heute
selbstbewusster, wenn es um Passform,
Proportionen und persönliche Vorlieben
geht?

Der Körper spielt eine große Rolle, weil ein
Kunde bei Fertiganzügen nur selten einen
Anzug findet, der wirklich zu seinem
Körperbau und seinen Proportionen passt.
Für eine gute Passform und Wirkung ist
die Proportionslehre entscheidend. Ob
Männer heute selbstbewusster auftreten,
hängt stark von der jeweiligen Person ab.
Generell würde ich das nicht pauschal
bestätigen. Allerdings sind Männer durch
bestimmte Fernsehserien über das Thema
aufgewacht und können sich bestimmte
Anzugideen heute besser vorstellen.

                                               Gerade bei Hochzeitsanzügen zeigt sich, wie
                                               schmal die Linie zwischen Individualität und
                                               Inszenierung sein kann. Rotknopf-Geschäfts-
                                               führer Oliver Schwarz sagt, man müsse den
                                               „Geschmack und den Charakter des Kunden“
                                               verstehen. Wenn zu viele Beteiligte mitreden,
                                               entstehe schnell das Risiko, dass sich ein Mann
                                               nicht angezogen, sondern verkleidet fühlt.
                                               Damit sich der Bräutigam dann am Tag X auch
                                               gut angezogen fühlt, ist das Anliegen rotknopf’s
                                               und gelingt, wie man sehen kann.

                                                                                                                                                                       |    FASHION

                                                                               Was würden Sie einem Mann raten, der
                                                                               seine     Garderobe    erwachsener,
                                                                               eleganter oder bewusster gestalten
                                                                               möchte, aber nicht weiß, wo er
                                                                               anfangen soll?

                                                                               Ich würde ihm raten, zuerst die Basics
                                                                               abzudecken. Außerdem empfehle ich gen-
                                                                               erell, einen Anzug immer dreiteilig fertigen
                                                                               zu lassen, weil das viele Kombi-
                                                                               nationsmöglichkeiten ergibt. Man muss die
                                                                               Weste nicht immer zum Anzug tragen,

Fotos _ Ulrich Sperl Weddings, sophiehaeusler.at, Charles Etoroma / Unsplash
                                                                               sondern kann sie auch mit anderen Farben
                                                                               kombinieren. So lassen sich aus einem
                                                                               einzigen Kleidungsstück viele neue Looks
                                                                               kreieren. Generell geht es aber weniger
                                                                               um Quantität als um Qualität und gute
                                                                               Passform. Ich würde eher dazu raten,
                                                                               weniger Anzüge zu kaufen, dafür aber
                                                                               solche, die man selbst gestaltet hat und
                                                                               der eigenen Persönlichkeit entsprechen.
                                                                               Nur dann wirkt man wirklich eleganter und
                                                                               hat ein besseres Auftreten. Anfangen
                                                                               sollte man vor allem mit einer guten Berat-
                                                                               ung. Dafür sind wir natürlich die
                                                                               Spezialisten.

                                                                               Wien ist eine Stadt mit viel Tradition,
                                                                               aber auch mit einem sehr heutigen
                                                                               Zugang zur Mode. Gibt es einen spezif-
                                                                               isch wienerischen Blick auf Herren-
                                                                               mode?

                                                                               Wien ist wohl die einzige Stadt, in der fast
                                                                               jeder schon einmal von einem Frack ge-
                                                                               hört hat. Ansonsten ist der Zugang der          Auch am Fußballplatz bleibt der Anzug die Uniform
                                                                                                                               der Autorität und wird bei der WM 2026 wohl wieder
                                                                               Wiener zur Herrenmode leider sehr kon-
                                                                                                                               häufig zu sehen sein. Die prägnanteste Kombi-
                                                                               servativ. Nur langsam ändert sich das, und      nation der vergangenen Jahre verdankt sich
                                                                               wir wollen hierbei eine Vorreiterrolle spiel-   allerdings dem ehemaligen Bundestrainer der deut-
                                                                               en. Allerdings sind wir noch weit weg von       schen Nationalmannschaft, Jogi Löw. Mit Roll-
                                                                                                                               kragen unter dem Sakko wurde er am Spielfeldrand
                                                                               Städten wie Mailand, Paris oder London,
                                                                                                                               zur Erscheinung zwischen Taktiker und Feuilletonist.
                                                                               wo man quasi alle hundert Meter einen gut       Ein Look, der Schule machte.
                                                                               gekleideten Mann sieht. Generell machen
                                                                               sich die Herren in Wien leider viel zu
                                                                               wenige Gedanken über ihr Auftreten.

                                                                                                                                                                                      23

D E R S TA N S M I T H F I N D E T S E I N E N D .

    adidas und der britische Retailer END. widmen dem
   ikonischen Stan Smith einen Auftritt in Mailand. Dort
  steht jetzt jener Tennisschuh im Mittelpunkt, der längst
                mehr ist als “nur“ Sportschuh.

                       Der adidas Stan Smith ist einer dieser Sneaker, die fast
                       jeder kennt, auch wenn nicht jeder den Namen kennt.
                       Weißes Leder, grüne Ferse, perforierte Streifen,
                       Tennissilhouette. 1973 als Performance-Schuh für den
                       Court eingeführt, wurde er später zum Alltagsschuh für
                       fast alles: Indie-Bands, Skateparks, Limp-Bizkit-Videos
                       auf MTV. Nicht zu vergessen: Er gehörte zur
                       Grundausstattung im Hip-Hop und ist ebenso auf
                       Fashion Weeks zu Hause sowie in Büros mit Casual
                       Dresscode und bezirzt alle, die keine Lust auf
                       „Statement-Sneaker“ haben.

                       Jetzt widmen adidas und END. dem Klassiker einen
                       eigenen Concept Space im END. Store in Mailand (Via
                       dei Mercanti 21). Mit reichlich Archivmaterial zur
                       Kulturgeschichte des ikonischen Sneakers. Dazu gibt es
                       eine von Piotr Niepsuj fotografierte Ausstellung mit
                       Streetstyle-Fotos, die von Reference Studios kuratiert
                       wurde und in der Modestadt entstanden ist.

                                                      |   FASHION

          D I E G O L D E N E N PA N T O F F E L
                     A U S I TA L I E N

      Pantofola d’Oro klingt wie ein italienischer Scherz.
        Goldener Hausschuh. Tatsächlich steckt eine der
     traditionsreichsten Marken des italienischen Fußballs
   dahinter. In Mailand legt die Marke nun zum Elfmeter auf.

Die Geschichte beginnt 1886 in Ascoli
Piceno, wo die Familie Lazzarini Schuhe
fertigte und eine Marke kreierte, die
seitdem eng mit dem Fußball verbunden
ist. Der Name entstand angeblich durch
John Charles, den walisischen Juventus-
Star. Er soll nach dem Anprobieren gesagt
haben, die Schuhe fühlten sich an wie
Pantoffeln. Aus dieser Bemerkung wurde
Pantofola d’Oro. Ein Name, der bis heute
besser        funktioniert   als      jede
Markenstrategie. Nun eröffnet die Marke in
Mailand einen Concept Store in der Via
Seneca 4. Gezeigt werden Klassiker wie
Lazzarini, Superleggera, Superstar und
Epoca, dazu jüngere Modelle wie New Star
und Modena, Lifestyle-Schuhe, Apparel,
Limited Editions und Kooperationen. Zur
Eröffnung präsentierte Pantofola d’Oro die
Capsule Collection mit Thebe Magugu.

                                                               25

 GLANZPUNKT.
 Manchmal reicht ein einziges Schmuckstück, um
 einem Look mehr Edge zu verleihen. Die Curve-
 Halskette von Xenox verbindet klassische
 Kettenglieder mit dezenten Zirkonia-Akzenten,
 schafft damit den Spagat zwischen Alltag und
 Anlass und lässt sich perfekt auch im Layering
 tragen.

    EDITOR’S
     CHOICE
Der Sommer gut gewählte Essentials,
    die mit jedem Plan mithalten.
 Vielseitig und stilvoll begleiten sie
   durch sonnige Tage, spontane
    Abenteuer und laue Abende.

                       von
                Mi o Pat er noß

   GLANZSTÜCK.
   Jeder kennt dieses Handtuch, das den halben
   Koffer füllt und trotzdem nie richtig trocknet. Mit
   dem Ziel, dieses Problem zu lösen, entstand
   Buvanha. Die gewaffelten Reisehandtücher aus
   recyceltem Material trocknen schnell, bleiben
   sandfrei und nehmen erstaunlich wenig Platz ein.
   Spannend ist aber auch der Gedanke dahinter:
   Jedes Design erzählt von einem Ort und versucht
   dessen Stimmung einzufangen.

                                   Wohlbefinden beginnt oft bei den Dingen, die
                                   man regelmäßig macht. Die Immunity Propolis
                                   Shots der Systemlinie von Mānuka Health
                                   lassen sich unkompliziert in den Alltag
                                   integrieren und vereinen Propolis, Mānuka-
                                   Honig und Vitamin C. Der Ansatz dahinter:
                                   weniger kurzfristige Optimierung, mehr
                                   langfristige Balance.

                                   GAMECHANGER.

                                                                            |    FASHION

                                PRIVATE LUXURY.
                                Luxus beginnt manchmal dort, wo ihn niemand
                                sieht. Die Seidenboxershorts von HACOY sind ein
                                solches Beispiel. Sie werden in einer italienischen
                                Manufaktur hergestellt und vereinen Handwerks-
                                kunst mit Komfort. Die lockere Passform, die
                                temperaturregulierende Seide und die präzise
                                Verarbeitung machen daraus ein Must-Have für die
                                Unterwäschelade, das man nicht missen möchte.

                                      SONNENSEITE.
                                      Schmuck muss nicht kompliziert sein, um
                                      Wirkung zu haben. Der Soline Ring von Bruna
                                      The Label setzt auf die seit Jahrhunderten
                                      bewährte Siegelringform. Gefertigt aus 18K-
                                      Gold-Vermeil wirkt das Piece präsent, aber nie
                                      aufdringlich. Genau die Art von Accessoire, das
                                      man irgendwann nicht mehr ablegt.

                      SOCKEN-
                      SOMMER.
                      Es gibt Marken, die es schaffen,
                      selbst Basics nach Sommer
                      aussehen zu lassen. Die aktuelle
                      Kollektion von Burlington spielt
                      mit Retro-Anklängen, klaren
                      Farben und entspannten
                      Silhouetten. Alles wirkt leicht,
                      unkompliziert und gut
                      kombinierbar.

SAINT-TROPEZ SPIRIT
Als Fred Prysquel Anfang der 1970er-Jahre mit den
üblichen Speedos nichts anfangen konnte, zeichnete er
seine Badehose auf eine Papiertischdecke in Saint-Tropez.
Daraus entstand Vilebrequin. Bis heute haben die Shorts
etwas von dieser ursprünglichen Idee behalten: entspannt,
selbstbewusst und immer ein bisschen Urlaub.
                                                                                        27

FASHION SUMMER SPECIAL

                         Foto _ Semaphore

 SHADY
BUSINESS

                                                                  |   FASHION

Fotos _ ANDY WOLF

                      DEN
                     WURM
                       IM
                     BLICK
                    Zum 20. Geburtstag erfüllten sich die
                    Macher:innen von ANDY WOLF einen
                    ziemlich österreichischen Traum: eine
                    Kollaboration mit Erwin Wurm. Also mit
                    jenem Künstler, der Autos aufbläst, Häuser
                    verschmälert, Menschen für eine Minute zu
                    Skulpturen macht und seine flachen Arbei-
                    ten zwar wie Bilder aussehen lässt, sie
                    aber lieber „Flat Sculptures“ nennt.
                    Manchmal ist das große Kunst. Manchmal
                    fühlt es sich ein wenig nach „Des Kaisers
                    neue Kleider“ an. Aber genau diese Reib-
                    ung macht Wurm ja interessant.

                    Für ANDY WOLF hat der Künstler nun eine
                    limitierte Sonnenbrille entworfen, deren
                    Rahmenform von seinen flachen Skulp-
                    turen inspiriert ist. Das Ergebnis bewegt
                    sich zwischen Designobjekt und Sam-
                    mlerstück. Eine Brille also, die nicht nur
                    vor Sonne schützt, sondern auch in einer
                    ziemlich stylishen Box daherkommt.

                    Die limitierte Edition ist seit Anfang Juni
                    erhältlich.

                                                                           29

FIELMANN.
Vor ein paar Jahren galten sie noch als
Nischenmodell, heute gehören ovale Sonnenbrillen zu
den stärksten Trends der Saison. Ihre weichen Linien
wirken entspannter als klassische Aviators und
subtiler als markante XXL-Modelle. Kaum eine Form
schafft den Spagat zwischen modernem Statement
und Vintage-Vibe so mühelos.
.

           MYKITA.
           Mit STUDIO 15 reduziert MYKITA die Brille auf ihre präziseste Form. Die
           neue LESSRIM-Serie setzt auf feine Edelstahlränder, die optisch
           zurücktreten, während Steg und Bügel die Silhouette bestimmen. Ein
           Hauch Art déco bleibt, aber ohne kltschige Nostalgie. Erhältlich in zwei
           Varianten: rechteckig als STUDIO 15.1 und weicher als Panto-Form als
           STUDIO 15.2.

                                                BALENCIAGA.
                                                Balenciaga 90s Oval Sunglasses wirken,
                                                als hätte man Jean Paul Gaultiers
                                                legendäre „Cyber“-Kollektion von 1995,
                                                einen Technokeller und Matrix in einen
                                                sehr schmalen schwarzen Rahmen ge-
                                                presst. Eine Brille für Menschen, die
                                                aussehen wollen, als kämen sie gerade
                                                aus dem Club oder aus einer Simulation.
                                                Gesehen bei Fielmann.

                                                                                            |      FASHION

DAVID BECKHAM EYEWEAR
Manche Sonnenbrillen verändern nicht den Look,
sondern die Ausstrahlung. Das Modell setzt auf
großzügige Proportionen, warme Havanna-Töne und
bernsteinfarbene Gläser. Irgendwo zwischen Retro,
Roadtrip und modernem Tailoring
.
.

                                         JULBO X SEBASTIAN
                                         JOURNET.
                                         Gefühlt trägt jedes Fashion Kid zwischen Florenz und
                                         Tokio derzeit eine Sonnenbrille, die aussieht wie ein
                                         Mix aus Techno-Insekt und Tour de France.
                                         Ursprünglich wurde diese Form natürlich nicht für Front
                                         Rows, sondern fürs Radfahren und andere Sportarten
                                         entwickelt. Genau deshalb passt die neue Kilian-Jornet-
                                         Serie von Julbo ziemlich gut ins Bild. Die Capsule
                                         Collection wurde gemeinsam mit dem Ausdauerathleten
                                         Kilian Jornet konzipiert. Herausgekommen sind fünf
                                         Modelle, die Jornet persönlich ausgewählt und über
                                         500 Stunden lang getestet hat.

       SILHOUETTE.
       Die rahmenlose Cape Florida von Silhouette sieht aus, als hätte sie
       Horatio Caine für den nächsten CSI: Miami-Moment aufgesetzt.
       Allerdings stammt die Brille nicht aus Florida, sondern ist das
       Ergebnis oberösterreichischer High-Tech-Entwicklung. Das Modell
       8728 kombiniert federleichtes Titan mit SPX®+, Silhouettes
       eigenem Hightech-Kunststoff.

                                             OLIVER PEOPLES X
                                             ROGER FEDERER.
                                             Die Marke und der ehemalige Tennis-Pro erweit-
                                             ern ihre Kollektion um die R-15, eine klassische
                                             Pilotenbrille mit Doppelsteg, leicht eckigen
                                             Gläsern und sportlichen Details.

                                                                                                        31

SKIN
  &
BO DY

                                       DER MANN UND DIE MASCHINE
                                            Pilates hatte lange ein Imageproblem. Zumindest bei
                                            Männern. Zu sehr war es mit “Stretching“ verbunden.
                                              Doch wer das glaubt, war vermutlich noch nie am
                                            Reformer. Denn dieses Gerät ist kein Wellnessmöbel,
                                             sondern eine Trainingsmaschine, die es in sich hat.

                                       Das Hotel Post Bezau ist nicht irgendein
                                       Wellnesshotel im Bregenzerwald, sondern
                                       der Ort, aus dem Susanne Kaufmanns
                                       Kosmetik- und Spa-Welt hervorgegangen
                                       ist.
                                       Jetzt wird das Konzept der Spa-Welt mit
                                       JOSEF P aus Deutschland erweitert. Dafür
                                       wurde ein Konzept entwickelt, das Beweg-
                                       ung, Regeneration und gezielte Körperar-
                                       beit verbindet. Gäste können eigenständig
                                       trainieren, individuell begleitete Sessions
                                       buchen oder Reformer-Einheiten im Rah-

Fotos _ Hotel Post Bezau, Kati Nowak
                                       men des Aktivprogramms ausprobieren.
                                       Reformer Pilates setzt nicht auf maximale
                                       Last, sondern auf präzise Bewegungs-
                                                                                             Hotel Post Bezau
                                       abläufe, Körperspannung und saubere                        Brugg 35
                                       Technik. Trainiert werden Rumpf, Stabili-               6870 Bezau im
                                       tät, Beweglichkeit und jene kleinen                    Bregenzerwald
                                                                                            hotelpostbezau.com
                                       Muskelgruppen, die man im klassischen
                                       Krafttraining gerne übersieht.

                                                                                                                 33

RIECHST DU DAS?
                                                             Statt schwerer Ansagen zählen heute klare
  DUFT-TRENDS SOMMER 2026                             Signaturen: salzige Frische, pudrige Wärme, grüne
                                                             Noten, transparente Moleküle und dunkle
                                                        Gourmand-Akkorde. Der ideale Duft muss nicht
                                                      dominieren. Er soll bleiben, wiedererkennbar sein
                                                                    und etwas über den Träger verraten.

                                                         BOSS The Scent eröffnet mit frischer Bergamotte und
                                                         würzigem Ingwer, bevor die exotische Maninka-Frucht dem Duft
                                                         eine dunkle, fast samtige Süße verleiht. In der Basis trifft
                                                         warmes Leder auf holzige Tiefe und verleiht der Komposition
                                                         eine maskuline Spannung, ohne dabei schwer zu wirken.
                                                         Zwischen Frische, Wärme und Körpernähe entsteht ein Duft,
                                                         der nicht laut verführen will, sondern näher kommen will.
                                                         Sinnlich, klar und selbstbewusst.

                                   Citrus bergamia.
                                                                                                         Vanilla planifolia.

   Burberry Hero Elixir de Parfum verdichtet Tonkabohne,
   ledrige Vanille und ein Trio aus Zedernholzölen zu einem
     Duft, der weich beginnt und dennoch Kraft behauptet.
            Die Süße bleibt dunkel, das Leder gibt Tiefe, das
    Zedernholz eine trockene, fast klare Warm, sinnlich und
      entschieden körpernah wirkt er wie ein olfaktorischer
                Gegenentwurf zum klassischen Kraftbeweis.

                                                                Bvlgari Man Wood Essence verbindet italienische
                                                                Zitruszesten, grünen Koriander, Zypresse und Zedernholz
                                                                zu einem Duft, der zwischen Stadt und Natur vermittelt.
                                                                Die Frische wirkt klar und leicht herb, das Holz trocken und
                                                                ruhig, während das Benzoeharz der Komposition eine
                                                                warme, balsamische Tiefe verleiht. So entsteht ein Duft,
                                                                der Männlichkeit nicht als Schwere erzählt, sondern als
                                                                Balance: geerdet, kultiviert und nah an der Haut. Ein
                                                                grüner, holziger Begleiter für Männer, die Stärke nicht über
                                                                Lautstärke definieren.

Styrax benzoin.

                                                                                                     |    BEAUTY & SEX

                                                              Jean Paul Gaultier Pride 2026 trägt „Safe Sex“ nicht
                                                              als Provokation, sondern als Erinnerung daran, dass
                                                              Begehren immer auch Fürsorge sein kann. Die neue
                                                              Unisex-Komposition verbindet vibrierende Minze,
                                                              sonnenhelle Mimose und süße Mandel zu einem
                                                              grünen, floralen Duft, der wie ein Statement auf
                                                              warmer Haut wirkt. Frisch, frei und bewusst
                                                              ungehorsam spielt er mit Körper, Identität und Nähe,
                                                              ohne sich festlegen zu lassen.

           Mimosa pudica.

        Casa Far Niente Negroni Nights verbindet Rum,
     Tabak, Leder, Zimt und Bergamotte zu einem Duft,
       der wie ein später Abend in Florenz wirkt: dunkel,
           würzig, elegant und ein wenig gefährlich. Der
    Auftakt ist markant, fast rauchig, wird jedoch durch
    warme Noten weicher und sinnlicher. Als Extrait de
      Parfum bleibt die Komposition lange auf der Haut
    und spielt mit jener nonchalanten Männlichkeit, die
            nicht perfekt sein will, sondern interessant.
                                                                                                 Cinnamomum verum.

                                                            Emporio Armani Stronger With You Amber verbindet
                                                            frischen Lavendel aus der Provence, einen sinnlichen
                                                            Amber-Akkord und warme Vanille aus Madagaskar zu
                                                            einem Duft, der wie goldenes Licht auf der Haut wirkt.
                                                            Die Frische bleibt weich, die Wärme balsamisch, die
                                                            Süße kontrolliert. Als Fougère-Amber-Duft spielt er
                                                            mit Nähe, Ausstrahlung und einer fast umhüllenden
                                                            Sinnlichkeit, ohne ins Schwere zu kippen.

Lavendula agustifolia.
                                                                                                                     35

               NACH DEM TRAINING IST VOR
                  DER REGENERATION
            Wenn Muskeln schwer, angespannt oder müde sind, helfen kleine Rituale
            dabei, wieder in Balance zu kommen: eine warme Dusche, eine kurze
            Massage oder ein entspannendes Magnesiumbad. So wird Regeneration
            auch zu einem Moment für sich selbst.

 Für die schnelle Pflege nach dem Sport
eignet sich der Muscle Recovery Cooling
Balm Bio von Sunday Natural. L-Menthol               Der feste Massage Bar von LUSH
aus indischer Ackerminze sorgt rasch für           erfrischt mit Magnesium, Hamamelis
ein frisches, entlastendes Gefühl auf der          und Arnika. Die unterstützenden Öle
Haut, während acht naturreine ätherische            aus Eukalyptus, Pfefferminze und
 Öle den Balsam aromatisch abrunden.                    Minze kühlen deine erhitzten
 Hautpflegende Öle sowie Extrakte aus               Gelenke ab. Der Massage Bar wird
  Arnika, Calendula und Johanniskraut                in den Händen erwärmt und dann
          ergänzen die Formel.                            über die Haut gerieben.

                                                                                         Fotos_Hersteller, Library of Congress via Unsplash
          Mit Brave Ancestral Protein verfolgt
          Ancient + Brave einen ganzheitlichen
       Ansatz: Hochwertiges Rinderprotein wird
      durch Organbestandteile wie Leber ergänzt
       - reich an Vitamin A, Folat und Eisen und
      damit besonders wertvoll für Immunsystem,
          Haut, Energie und Widerstandskraft.
             Ergänzt wird die Formel durch
       Verdauungsenzyme aus grüner Kiwifrucht
             sowie aktivierte B-Vitamine zur
        Unterstützung des Energiestoffwechsels
           und zur Reduktion von Müdigkeit.

  Magnesiumchlorid Spray ist ein praktischer
   Helfer nach dem Sport, wenn sich Muskeln
müde, angespannt oder beansprucht anfühlen.
 Es wird direkt auf die Haut gesprüht und kann
gezielt dort angewendet werden, wo der Körper
    Unterstützung braucht, etwa an Waden,
    Oberschenkeln, Schultern oder Rücken.
  Einfach auf die saubere Haut sprühen, sanft
  einmassieren und kurz einwirken lassen. Bei
 empfindlicher Haut kann ein leichtes Kribbeln
     entstehen. Nach nach einigen Minuten
                  abwaschen.

                                                              Der Klassiker aus Opas Badezimmer:
                                                                Franzbranntwein. Nach dem Sport
                                                              nicht sofort auf die verschwitzte Haut
                                                               geben, sondern erst kurz abduschen
                                                               und anschließend abtrocknen. Dann
                                                               eine kleine Menge Franzbranntwein
                                                                in die Handflächen geben, auf die
                                                                   beanspruchten Muskelpartien
                                                                auftragen und sanft einmassieren.
                                                                  Durch das Menthol entsteht ein
                                                              angenehm kühlender Effekt, während
                                                                    die Massage zusätzlich die
                                                                       Durchblutung anregt

                                                   Collagen ist ein zentrales Strukturprotein des
                                                 Körpers und ein wichtiger Bestandteil von Haut,
                                                  Bindegewebe, Gelenken, Sehnen und Bändern.
                                                    Es sorgt dafür, dass das Gewebe elastisch,
                                                  stabil und belastbar bleibt. Gerade bei einem
                                                 aktiven Lebensstil kann die gezielte Versorgung
                                                   mit hochwertigen Kollagenpeptiden sinnvoll
                                                     sein, um den Körper von innen heraus zu
                                                   unterstützen. HydroCollagen liefert diese in
                                                  flüssiger Form. Entwickelt wurde das Produkt
                                                        von Dr. Rieder und Dr. Karger, zwei
                                                         ästhetischen Ärztinnen aus Wien.

                                                                                                       37

CULTURAL

        HOM:ME SELECTS

                                                                                       naeLcM yelhsA _otoF

 Schwarze Männlichkeit wurde und wird häufig zur Projektionsfläche: Coolness,
  Kontrolle, Stärke, Stil. Autorin und Kulturkritikerin bell hooks analysierte in We
Real Cool: Black Men and Masculinity, wie Schwarze Männer in rassistischen und
patriarchalen Strukturen auf bestimmte Rollenbilder festgelegt werden. Die US-
amerikanische Fotografin Ashley McLean (*1996) antwortet darauf nicht mit einer
These, sondern mit Bildern. In ihrer Reihe Seeking you in other bodies… öffnet sie
 den Blick für Vatersein, Zärtlichkeit, Freundschaft, Queerness, Unsicherheit und
 Fürsorge. Ihre Serie stand 2026 auf der Shortlist des C/O Berlin Talent Awards.

                                                                                                             39

                                                                                                    siuhjiT reteP :otoF .madretsmA muesuM kjiledetS .6202 ,yadoT seitinilucsaM — erehpsonaM

                                                                                     eht dnoyeB nI .raanetsnuk ed naa knad teM .)liated( 6202 ,)erih rof nem( dnalrag ,xeG nevS _otoF

Was bedeutet es heute, ein Mann zu sein? Im Stedelijk Museum Amsterdam wird
diese Frage derzeit nicht als Lifestyle-Diagnose gestellt, sondern als kulturelles
  Spannungsfeld beleuchtet. Im Stedelijk Museum Amsterdam widmet sich die
  Ausstellung „Beyond the Manosphere: Masculinities Today“ der Frage, was
 Männlichkeit heute bedeutet. Statt nur auf toxische Online-Räume zu blicken,
  zeigt sie Männerbilder als fragile, widersprüchliche Konstruktionen zwischen
   Macht, Körper, Begehren, Unsicherheit und Popkultur. Mit Arbeiten von 35
 internationalen Künstler:innen wird Männlichkeit nicht erklärt, sondern seziert.
                          Geht bis zum 2. August 2026.

   WER

   DARF

   HIER

MITSPIELEN?

              41

       Zur WM 2026 wird der Fußball wieder von Vielfalt
      sprechen. Doch gerade der Männerfußball zeigt, wie
      eng Männlichkeit, Angst und Schweigen noch immer
                 miteinander verbunden sind.

                                                 von
                                          Maxine Weber

Wenn im Juni 2026 die Weltmeisterschaft in             Der Satz war schlicht, aber er traf den Kern.
den USA, Kanada und Mexiko beginnt, wird               Nicht das Schwulsein war der Kampf. Der
wieder viel von Offenheit die Rede sein.               Kampf war die Umgebung, in der es
Von Begegnung, Fairplay, Respekt. Von                  offenbar keinen Platz dafür gab. Cavallo
Stadien, in denen die Welt zusammen-                   wurde damals als erster bekannter aktiver
kommt. Die FIFA wird ihre Kampagnen aus-               schwuler Profi in einer Männer-Topliga welt-
rollen, Sponsoren werden Regenbogenfar-                weit gefeiert. Doch die Feier war nie ganz
ben vielleicht sogar die entdecken,                    frei von Tragik, denn eine Frage blieb:
Und doch liegt über diesem Turnier eine                Warum musste das im Jahr 2021 überhaupt
alte Frage, die im Männerfußball nie wirk-             noch eine weltweite Nachricht sein? Der
lich verschwunden ist: Wer darf in diesem              Fußball liebt Mut, aber nur in den Formen,
Spiel sichtbar sein?                                   die er kennt. Ein Tackling. Ein Elfmeter. Ein
                                                       Comeback nach Verletzung. Der Mut, sich
Fußball ist eine seltsame Welt. Sie kann               gegen eine Kultur des Schweigens zu
Heimat, Sprache, Religion und Familien-                stellen, wird zwar beklatscht, aber selten
ersatz sein. Fußball kann Menschen zusam-              strukturell   beantwortet.    Nach     jedem
menbringen, die sonst nichts miteinander zu            Coming-out     folgen   Solidaritätspostings,
tun hätten. Gleichzeitig ist er eines der              Applaus, Vereinsstatements. Dann kehrt
letzten großen öffentlichen Systeme, in                der Betrieb zurück. Die Gesänge in den
denen Männlichkeit nach sehr alten Regeln              Kurven bleiben. Die Kabinenwitze bleiben.
funktionieren muss.                                    Die Angst bleibt.
Härte zählt. Schwäche wird sofort erkannt,
benannt und bestraft. Wer aus der Rolle                Auch bei Cavallo. 2025 sagte er laut Reut-
fällt, muss erklären, warum. Queerness ist             ers in einem FIFPRO-Podcast: „Es gibt
im Männerfußball deshalb nie nur eine                  viele, viele, viele Morddrohungen, die mich
private Angelegenheit. Sie wird sofort                 bis heute täglich erreichen.“ Und weiter:
politisch. Ein Coming-out ist hier nicht bloß          „Die Welt des Fußballs ist ein sehr toxisch-
die Definition seiner Selbst. Sie wird auf die         er Ort, ein offen schwuler Spieler zu sein.“
Gruppe bezogen und gilt weiterhin als
Eingriff in die gesamte Kultur. Egal, wie              Vor allem aus dem letzten Satz kann man
sehr die FIFA versucht, dem Thema                      bereits herauslesen, wohin immer noch die
gegenüber offen zu sein. über das eigene               Reise für jene männlich gelesenen Spieler
Leben. Es ist ein Eingriff in eine ganze               geht, die sich öffentlich zur ihrer Homo-
Kultur. Als der australische Profi Josh                oder Bisexualität bekennen.
Cavallo 2021 öffentlich machte, dass er
schwul ist, sagte er in seinem Video: „I
have been fighting my sexuality for over six
years now.“

Der tschechische Nationalspieler Jakub Jankto
formulierte es 2023 ähnlich nüchtern: „I am
homosexual, and I no longer want to hide
myself.“ In seinem Coming-out-Video sprach er
davon, ohne Angst, Vorurteile und Gewalt
leben zu wollen. Dass ein professioneller
Fußballer diesen Wunsch öffentlich äußern
muss, sagt viel über den Zustand des Sports
aus. Und das ist nur die Profi-Welt. Wie es in
Amateurvereinen aussieht, ist wieder eine
andere Sache.

Diese Gewalt kommt selten aus dem offiziellen
Fußball, sondern aus jenem Raum, den Ver-
eine und Verbände lange als Folklore verklärt
haben: von den Rängen, aus Kommentar-            WER DARF IN
spalten, aus Direktnachrichten. Von Fans –       DIESEM SPIEL
oder besser: sogenannten Fans –, die ihre
                                                 SICHTBAR SEIN?
Vorstellung von Fußball mit ihrer Vorstellung
von Männlichkeit verwechseln. Sie äußert sich
in homophoben Gesängen, Beleidigungen und
Drohungen sowie in der alten Behauptung,
dass alles eben Teil der Fußballkultur sei.

Genau darin liegt das Problem.

                                                                  43

                            Larger than life: Fußball macht aus Männern Ikonen.
                            Diego Maradona wurde nicht nur als Spieler verehrt,
                            sondern auch als Mythos. Darin zeigt sich auch, wie
                            sehr die Fußballkultur bis heute von männlichen
                            Heldenbildern geprägt ist.

Was als „Stadionton“ abgetan wird, entscheidet
für manche Spieler darüber, ob sie sich zeigen
können oder nicht. Denn es ist eine Sache,
abstrakt über Akzeptanz im Fußball zu
sprechen.

UND DA WÄRE NOCH DIE SACHE MIT DER                            FUSSBALL IST
WELTMEISTERSCHAFT                                             EINES DER
Die WM 2026 könnte diese Widersprüche                         LETZTEN
sichtbarer machen als bei jedem anderen                       GROSSEN
Turnier zuvor. Sie findet in drei Ländern statt,              ÖFFENTLICHEN
darunter in den USA, wo Sport längst auch                     SYSTEME, IN
Popkultur, Politik und Identitätsraum ist.                    DENEN
Gleichzeitig warnen Menschenrechtsorgani-                     MÄNNLICHKEIT
sationen vor einem „Klima der Angst“ rund um
                                                              NACH SEHR
das Turnier. Gemeint ist damit nicht eine
einzelne konkrete Gefahr im Stadion, sondern
                                                              ALTEN REGELN
ein Bündel aus politischen und praktischen
                                                              FUNKTIONIEREN
Risiken: verschärfte Visa- und Einreisebe-                    MUSS.
stimmungen, aggressive Grenz- und Migra-
tionspolitik, stärkere Polizeipräsenz, mögliche
Kontrollen im Umfeld von Spielen und die
Sorge, dass Fans, Journalist:innen, Arbeit-
er:innen oder Mitglieder lokaler Communities
aufgrund ihrer Herkunft, Religion, Hautfarbe,
ihres Aufenthaltsstatus oder ihrer politischen
Meinung ins Visier geraten könnten.

                      Besonders im Fokus steht dabei die US-         Das Gefühl von Sicherheit bei der Einreise
                      Einwanderungspolitik. Die Sport & Rights       und vor Ort ist also nicht automatisch
                      Alliance kritisierte Anfang Juni 2026, FIFA    gegeben. Vor diesem Hintergrund entsteh-
                      habe auf die von lokalen Gruppen und           en in den Host Cities sogenannte Pride
                      internationalen Organisationen dokumen-        Houses, also Treffpunkte für LGBTIQ+
                      tierten Menschenrechtsrisiken nicht aus-       Fans, Athlet:innen und Allies während der
                      reichend reagiert. Reuters berichtete, dass    WM. Pride House United 2026 beschreibt
                      unter     anderem      Visa-Beschränkungen,    sie als Orte, an denen queere Fans willkom-
                      Grenzkontrollen, Polizeiarbeit sowie mög-      men sind. Das ist wichtig. Es wirft aber
                      liche Abschiebungsmaßnahmen zu den             auch eine unbequeme Frage auf: Warum
                      Sorgen zählen. Der Sheriff von Los Angeles     braucht es beim größten Fußballturnier der
                      erklärte zwar, ihm sei zugesichert worden,     Welt eigene sichere Räume, wenn dieses
                      dass ICE bei WM-Spielen und offiziellen        Turnier doch als besonders inklusiv verkauft
                      Events in Los Angeles keine zivilen Ein-       wird?
                      wanderungskontrollen durchführen werde.
                      Gleichzeitig räumte er ein, dass sich diese
                      Lage     ändern     könne.   Genau     diese
                      Unsicherheit ist Teil des Problems.

reiletA serA _ otoF

                                                                                                                    45

Und da wäre natürlich auch noch die Sache       Denn wie immer geht es dabei auch um
mit Donald J. Trump, dem 47. US-Präsi-          sehr viel Geld. Die WM 2026 dürfte für die
denten. Die FIFA versuchte den Spagat           FIFA zum finanziell größten Turnier ihrer
zwischen den verschiedenen Polen nicht          Geschichte werden. Für den Zyklus 2023
einmal zu kaschieren. Während sie für die       bis 2026 rechnet der Verband mit einem
WM 2026 von Inklusion, Vielfalt und             Umsatz von rund 13 Milliarden US-Dollar.
„Football Unites the World“ spricht,            Möglich macht das auch die Expansion des
überreichte FIFA-Präsident Gianni Infantino     Turniers: 48 Teams, 104 Spiele, drei
ausgerechnet Donald J. Trump den neu            Gastgeberländer, mehr TV-Minuten, mehr
geschaffenen „FIFA Peace Prize – Football       Tickets, mehr Sponsorenflächen – weil es
Unites the World“. Einen Preis, den es zu-      mehr Matches gibt. Vielfalt ist in diesem
vor nicht gab und dessen erster Träger ein      System nicht nur ein moralisches Ver-
Politiker war, dessen Politik von Kritik-       sprechen, sondern auch ein Markt. Je
er:innen als Angriff auf demokratische          größer die Welt, die der Fußball angeblich
Institutionen, Minderheitenrechte, Migration    vereint, desto größer wird auch die Rech-
und queere Sichtbarkeit gesehen wird.           nung, die am Ende aufgeht. Und da ist es
                                                wichtig, dass man sich möglichst offen und
Man muss diesen Widerspruch nicht einmal        inklusiv zeigt.
besonders auslegen. Die FIFA inszeniert
sich als globale Integrationsmaschine, ver-
teilt Regenbogenbotschaften, spricht von
Safe Spaces und Respekt und ehrt gleich-
zeitig einen Präsidenten, der für viele jener
Gruppen, die der Fußball angeblich ein-                 „DIE WELT DES
schließen will, zum politischen Gegnerbild              FUSSBALLS IST
geworden ist. Das ist kein Ausrutscher. Es              EIN SEHR
ist die Logik eines Verbandes, der Inklusion            TOXISCHER
als Kampagne versteht und Macht als Nähe                ORT, EIN OFFEN
zu den Regierenden.
                                                        SCHWULER
                                                        SPIELER ZU
                                                        SEIN.“
                                                                      JOSH CAVALLO

                                                     Der Friedenspreis ist schon vergeben.
                                                     Donald J. Trump erhielt von der FIFA eine
                                                     eigens für ihn geschaffene
                                                     Auszeichnung. Während der WM 2026
                                                     wird sich zeigen, ob der Weltverband
                                                     seine Inklusionsrhetorik auch dann noch
                                                     aufrechterhält, wenn der mächtigste
                                                     Mann der Welt das Turnier als Bühne
                                                     nutzt.

ON THE
 MOVE

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In einer Welt, in der Autos längst mehr sind als                                                          |      MOTOR
Fortbewegungsmittel, wirken auch die Kreationen von
ARES Atelier aus Modena wie rollende Statements im
Abendlicht.

         AUTOS WIE MASSANZÜGE
                                                            von
                                                      Maria Ratzinger

   Es gibt Autobauer, die Fahrzeuge von der Stange verkaufen, mal mit mehr, mal
    mit weniger Konfiguration. Und es gibt ARES Atelier in Modena, wo das Auto
    zum persönlichen Statement aus Carbon, Leder und italienischer Handarbeit
       wird. Mit klassischem Tuning hat das wenig zu tun. In der italienischen
    Motorenstadt wird für jene Kund:innen gearbeitet, die nicht nach dem Preis
                     fragen, sondern nach dem, was möglich ist.

     Wenn Mailand die Stadt der Mode ist, dann                    Hier widmet man sich den Träumen einer

                                                                                                                   reiletA SERA :sotoF
     ist   Modena      ihr  automobilgewordener                   kleinen, ultrareichen Zielgruppe von Auto-
     Gegenentwurf. Ferrari, Maserati, Lambor-                     Fans, die aus ihrem Supercar mehr her-
     ghini, Pagani, Ducati und Dallara liegen                     ausholen wollen als Leistung, Leder und
     praktisch ums Eck. Wer hier eine Manu-                       Lack. Es geht um Auftritt. Um jenen Moment
     faktur eröffnet, verkauft nicht nur Technik,                 an der Promenade von Nizza oder im
     sondern auch eine gewaltige Portion                          Londoner Financial District, in dem ein Auto
     Standortmythos. ARES Atelier nutzt diese                     nicht mehr nur Fortbewegungsmittel ist,
     Geografie als Teil der Erzählung: Design,                    sondern eine Visitenkarte. Es ist eine Welt,
     Engineering, Carbonverarbeitung, Lackier-                    in der „bespoke automobiles“ nicht bloß
     erei, Lederarbeiten und Karosseriebau                        Statussymbole sind, sondern die letzte
     sitzen hier unter einem Dach.                                Eskalationsstufe der Individualisierung.

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Am Anfang war ARES Atelier weniger eine       DANN KAM DAS ERSTE EIGENE HYPER-
eigene Marke als vielmehr ein ambition-       CAR NAMENS S1
ierter Veredler. Man nahm existierende        Limitiert auf 24 Stück, mit dramatischer
Luxusautos und machte mit ihnen Dinge,        Carbonkarosserie und dem Ziel, Hypercar-
die sich normale Menschen nicht einmal mit    Optik mit Supercar-Technik zu verbinden.
Küchenfronten trauen. Aus einem Bentley       Fachmedien berichteten, dass die tech-
Mulsanne wurde ein Coupé. Ein Mercedes        nische Basis von der Chevrolet Corvette C8
G63 AMG wurde zum noch entschie-              stammte. Der kreative Funke hinter dem S1
deneren Geländewagen. Ein Land Rover          Project Coupé war einfach, aber alles
Defender wurde neu interpretiert, weil        andere als banal. Man wollte ein Auto
offenbar selbst ein Defender manchen          schaffen, das Design mit außergewöhnlich-
nicht genug nach einem Defender aussieht.     er Performance verbindet und dabei ein
                                              authentisches, ungefiltertes Fahrerlebnis in
Auch Klassiker wurden modernisiert, etwa      den Mittelpunkt stellt. Inspiriert von den
eine Corvette Sting Ray von 1964, die auf     ikonischsten Rennprototypen der 1970er
eine zeitgemäßere Technikbasis umgerüs-       und 1980er Jahre entstand das S1 Project
tet wurde. Der eigentliche Moment der         Coupé: ARES Vision eines Hypercars
Sichtbarkeit für die Manufaktur kam mit dem   kommt dabei mit rasanten 715 PS daher,
Panther ProgettoUno. Der erste seiner Art     die in 2,7 Sekunden auf 100 km/h be-
aus dem ‘Legends Reborn’ Programm.            schleunigen.
Emotional war er eine Wiedergeburt des De
Tomaso Pantera, technisch basierte er auf     Was die Zukunft bringt, steht in den Sternen
dem Lamborghini Huracán. Dieses Auto          – aber man wird es bestimmt bald auf
erzählt ziemlich genau, was ARES Atelier      Straßen mit klingenden Namen sehen.
ausmacht: Nostalgie-Zitate in der Design-
sprache, gepaart mit moderner Perfor-
mance. Der Panther setzte die Keilform der
                                                Für jene, denen ein Lambo zu trivial und ein Ferrari
Siebziger in die Gegenwart um und brachte
                                                zu Mainstream ist: Der ARES S1 Project Spyder
sogar Klappscheinwerfer zurück.                 wurde auf 24 Exemplare limitiert. Der Einstiegs-
                                                preis liegt bei rund 500.000 Euro.

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Polestar gehört zu den wenigen Automarken, die Nach-          Seit 2020 veröffentlicht das Unternehmen vollständige
haltigkeit nicht als schmückendes Zusatzthema behan-          Life-Cycle-Assessments für seine Modelle und macht so
deln, sondern als Kern ihrer Identität. Das aktuelle          sichtbar, wo Emissionen tatsächlich entstehen. Beim
Großprojekt der Marke (Projekt Zero) verfolgt das Ziel, ein   Polestar 5 zeigt sich dieser Ansatz besonders deutlich:
klimaneutrales Auto zu entwickeln und dabei Emissionen        recyceltes Aluminium, erneuerbare Energie in Schmelz-
nicht zu kompensieren, sondern sie entlang der gesamten       betrieben und innovative Innenraummaterialien reduzier-
Wertschöpfungskette zu vermeiden. Mehr als 30 Partner         en den CO ₂ -Fußabdruck, ohne dabei den Performance-
arbeiten mittlerweile daran, Materialien, Produktionspro-     Anspruch der Marke aufzugeben. Genau darin liegt die
zesse und Lieferketten neu zu denken. Besonders               Besonderheit des Autoherstellers: Die Marke verbindet
konsequent ist Polestar in puncto Transparenz.                Elektromobilität, Design und Klimaziele zu einer
                                                              gemeinsamen Zukunftsaufgabe.

Der markante Aluminiumrahmen mit seiner grafischen           Hydraulische Scheibenbremsen und breite Reifen machen
Parallelogramm-Silhouette des CGO009 von TENWAYS             das CGO009 alltagstauglich. Ein Drehmomentsensor
macht es mit seiner integrierten Lichtführung näher an ein   passt die Unterstützung an den eigenen Tritt an, und der
Designobjekt als an ein klassisches Pendlerbike. Das         Gates-Carbon-Riemenantrieb läuft leise und wartungs-
verrät schon das technische Datenblatt: ein 250-Watt-        arm. Der integrierte 374-Wh-Akku ermöglicht je nach
starken Hinterradnabenmotor mit 45 Newtonmetern              Fahrweise eine Reichweite von bis zu 100 Kilometern.
Drehmoment und Unterstützung bis 25 km/h warten auf          Dazu kommen Smart Features wie GPS-Tracking, Dieb-
die Rider:innen.                                             stahlwarnung und Boost-Funktion.

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Nothing ist die Londoner Tech-Marke, die
Gadgets aus der Ecke reiner Funktion
herausgeholt hat. Transparente Elemen-
te, leuchtende Glyphs, ein Design, das
man erkennt, bevor man das Logo liest.
Headphone (1) ist ein Designobjekt für
die Ohren mit einer Wiedergabezeit von
bis zu 135 Stunden. Und wer erinnert sich
dabei nicht an den transparenten Game
Boy aus Nintendos „Play It Loud!“ Ära von
1995. Nothing übersetzt genau diese
Nostalgie in die Gegenwart.

                                            Die Nothing Ear (a) in Weiß sehen aus, als hätte
                                            jemand klassische In-Ears einmal durch die
                                            Popkultur gezogen: transparentes Case, cleane
                                            Form, genug Design, um nicht nach Standard-
                                            Gadget auszusehen. Praktisch sind sie trotzdem.
                                            Bis zu 9,5 Stunden halten die Earbuds ohne Noise
                                            Cancelling durch, mit Case werden daraus bis zu
                                            42,5 Stunden. Mit ANC sind es immer noch bis zu
                                            5,5 Stunden beziehungsweise 24,5 Stunden mit
                                            Ladecase. Also genug Akku fürs Boarding nach
                                            Ibiza, für Nachtzüge und jene Sommerpläne, die
                                            länger dauern als gedacht.

Dass Charli xcx seit Mai 2026 als
globale Markenbotschafterin und
Anteilseignerin an Bord ist, passt
erstaunlich gut zur Strategie des
Unternehmens. Nothing verkauft
nicht nur Hardware, sondern Tech
als Kult(ur)produkt. Charli xcx
bringt genau jene Relevanz mit,
die Marken heute suchen: eine
klar erkennbare Ästhetik, eine
loyale    Community     und    die
Fähigkeit, Trends zu erzeugen.

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MODEL: MARIO SCHAFZAHL
FOTOGRAFIE: FLORENTINA OLAREANU
